Woher kommt die Stimme von Egon Schock?

Addy Axon ist Bauchredner

Der Mann erledigt seine Arbeit aus dem Bauch heraus. Das hört sich nüchtern an. Doch er bringt mit seinen Freunden Egon Schock und Otto de Lacoste Menschen von Berufswegen „mit Spaß und Blödsinn" zum Lachen - Addy Axon ist Bauchredner.

Aus einem Artikel der Stuttgarter Zeitung | von ]ürgen Veit.

Egon Schock, eine Art Hamster mit kecker roter Mütze auf dem Kopf, hat ein freches Mundwerk. „Schau mal, die Hose vom Fotografen, so eine möchte ich auch gerne haben", sagt er zu Addy Axon. „So eine blaue?", fragt der zurück. „Nein, so eine schmutzige", antwortet Egon rotzig. Das pfiffige Plüschtier hat auch keine Hemmungen, bekannte Persönlichkeiten auf die Schippe zu nehmen. Zum Beispiel stellte er bei einer Veranstaltung fest, dass Ministerpräsident Erwin Teufel wohl Golfsocken trage. Auf die Frage Axons, woran er das denn erkenne, antwortete er: „An den 18 Löchern."

Während Egon Schock und das blond perückte Krokodil Otto de Lacoste - Modedesigner von Beruf - mit ihrem Chef Addy Axon plaudern, führen sie auf dem Arm des Bauchredners ein Eigenleben. Aus den sich bewegenden Mündern der Puppen scheint ihre eigene Stimme zu dringen. Doch haucht ihnen Addy Axon dieses Leben ein, ohne dass der Zuschauer davon etwas mitbekommt. Seine Lippen bewegen sich nicht, während die beiden Plüschkameraden munter drauflos schwatzen.

„Aus Blödsinn" hatte Addy Axon, der mit bürgerlichem Namen Uwe Kasner heißt, mit dem Bauchreden angefangen. Mit einem Freund hatte er sich in früheren Jahren ein bisschen in Kleinkunst und Kabarett versucht. Sein Part war, eine Puppe mit verstellter Stimme reden zu lassen. Das muss ihm gelungen sein, denn die Zuschauer fragten: „Wo war denn das Tonband?"

Aus der Berufung ist ein Beruf geworden. Inzwischen verdient Addy Axon den Lebensunterhalt für sich und seine Familie ausschließlich mit Auftritten als Bauchredner. Nur noch das Messingschild an der Tür seines Hauses in Fellbach erinnert daran, dass er sich bis dahin als selbstständiger Architekt verdingte. Obwohl er sich in seinem ursprünglichen Beruf „wohl gefühlt" hatte, wurde ihm der Stress auf Dauer zu viel. Als Bauchredner „ist alles etwas geregelter, da habe ich meine Verträge".

Und von denen hat er jede Menge. Für etwa 200 Auftritte im gesamten deutschsprachigen Raum wird er pro Jahr gebucht, legt dabei etwa 100 000 Kilometer hinter dem Steuer seines Wagens zurück.

Bringt die Menschen zum Lachen: Egon Schock, Addy Axon und Otto de Lacoste (von links)
Bringt die Menschen zum Lachen: Egon Schock, Addy Axon und Otto de Lacoste (von links). Foto: Stoppel

Oft wird er von Firmen engagiert, für Messen, Seminare, Produktvorstellungen oder Treffen mit Geschäftspartnern. Bei Letzteren bleibe „das Essen in einem Restaurant nicht im Gedächtnis hängen, eine Vorstellung mit einem Bauchredner schon". An die veränderte Auftragslage hat sich der Künstler angepasst. Er bietet seine Shows auch individuell in Englisch und Französisch an.

In den ganzen Jahren hat sich Addy Axon in der Branche einen Namen gemacht. In vielen Fernsehshows und bei unzähligen Großveranstaltungen ist er aufgetreten. Für Unterhaltung sorgte er sogar bei der Hochzeit von Formel-1-Star Michael Schumacher. „Das war ne nette Feier", sagt Axon lapidar über jenes Medienereignis, an dem so viele Klatschreporter liebend gerne teilgenommen hätten. Doch für ihn sind „die Veranstaltungen mit Promis nicht die wichtigsten". Eine Vorstellung vor krebskranken Kindern gehe „weit mehr unter die Haut".

Bei all seinen Auftritten ist die am häufigsten an den Bauchredner gestellte Frage: „Wie geht das?" Mit einer klaren Antwort möchte der Künstler nicht rüberrücken, er behauptet, „jeder kann selber drauf kommen". Entscheidend sei ohnehin die Show, nicht die Technik. Bei ihm stimmt anscheinend beides. Er ist fast ständig ausgebucht.

So wird er mit seinen haarigen Freunden noch viele Menschen auf die Schippe nehmen und sie damit zum Lachen bringen, egal ob Prominente, Firmenkunden oder Kinder. Wobei er zum Prinzip erkoren hat, dass der Humor nie unter die Gürtellinie gehen darf. Das ist ihm geglückt: „Ich hab noch nie erlebt, dass jemand mit rotem Kopf aus meiner Veranstaltung gelaufen ist."